Minimalisten

Von einem Kader wie dem der Mannheimer Adler erwartet man deutlich mehr Wow-Effekte.


Von André Dinzler


Ergebnisorientiert und clever sagen die einen, langweilig und bieder die anderen. An den Leistungen der Mannheimer Adler scheiden sich derzeit die Geister. Spätestens nach dem knappen, aber ungefährdeten 1:0-Erfolg am Freitag in Ingolstadt ist klar: Für Spektakel stehen die Mannheimer derzeit nicht, eher für Minimalisten-Eishockey mit maximaler Ausbeute.

„Die Siege in Köln und Ingolstadt kann man gut vergleichen“, analysiert dann auch Matthias Plachta treffend. „Wir stehen defensiv gut und dann reichen auch mal weniger Tore zum Sieg.“ In der Tat: Die Adler sind trotz großer Verletzungssorgen und anstrengender letzter Wochen in Schlagdistanz zu den Top drei, mit Köln und Ingolstadt wurden wichtige Konkurrenten erst einmal distanziert. Soweit die Ergebnissicht. Auf der anderen Seite erwartet man von einem Team mit der Kaderqualität der Adler auch spielerische Akzente, harte Checks und Wow-Effekte. Diesen Ansprüchen ist das Team in dieser Saison bislang kaum gerecht geworden.

Mit Sean Simpson steht zudem ein Trainer an der Bande, der nach vielen enttäuschenden Spielzeiten der Adler den ganz großen Erfolg am Saisonende im Visier hat. Spektakel während der Punkterunde zählt nicht zu seiner Philosophie. Viel eher setzt der Kanadier auf Disziplin und Defensive.

Bemerkenswert ist und bleibt, wie Simpson der individuellen Klasse seiner Stars vertraut und deshalb auf feste Paare – von eingespielten Reihen kann man aufgrund der Verletzungen ja ohnehin kaum sprechen – fast gänzlich verzichtet. Selbst langjährige Beobachter der Adler werden sich nicht an einen derartigen Mix der Sturmformationen entsinnen können. Immerhin gibt es bald etwas Luft zum Durchatmen und Kraft tanken: kommendes Wochenende steht die Deutschland-Cup-Pause an.

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