Adler beißen sich durch

Eishockey: 3:2 nach Penaltyschießen gegen Nürnberg – Angebot für Pavel Gross


Von André Dinzler



MANNHEIM. Ein Lebenszeichen: Nach einer erneut starken kämpferischen Leistung, viel Leidenschaft und auch etwas Glück gewannen die Adler Mannheim gestern überraschend gegen den Tabellenführer Nürnberg Ice Tigers mit 3:2 (1:0; 1:1; 0:1; 0:0; 1:0) nach Penaltyschießen.

Am späten Freitagabend noch mussten sich die Spieler nach der Heimkehr von der 0:5-Niederlage in Köln an der SAP-Arena rund 150 aufgebrachten Fans stellen und erklären. Geschäftsführer Matthias Binder: „Alles lief sehr diszipliniert und ruhig ab. Die Fans haben natürlich das Recht, unzufrieden zu sein.“Wie schon in den Spielen zuvor, machten die Adler auch gestern in den ersten 20 Minuten mächtig Druck, schnürten den Gegner ein, spielten schnell, ideenreich und hatten Chance um Chance. Statistischer Beweis nach dem ersten Drittel: 25:6 Torschüsse zugunsten der Gastgeber. Was allerdings auch wie in den Spielen zuvor war: Die Adler schlugen viel zu wenig Kapital aus der kapitalen Überlegenheit. Einzig Phil Hungerecker versenkte den Puck mit einem knallharten Schuss in den Winkel im Nürnberger Tor (11.).

Was sich – neben der mangelhaften Chancenverwertung – aber auch gestern weiter fortsetzte, war, dass die Mannheimer mit zunehmender Spieldauer in der Defensive nachließen. Gestern verwischte dies zunächst durch viele Nürnberger Strafzeiten, die den Adlern gar das 2:0 bescherten: In doppelter Überzahl traf Mathieu Carle per Schlagschuss. Doch je länger das Spiel dauerte, desto stärker wurden die Nürnberger. Beinahe logisch der Anschlusstreffer durch Nichlas Torp nach sehenswerter Vorarbeit von Patrick Reimer. Die Adler versuchten, dagegenzuhalten, trafen durch Akdag kurz vor der Pause sogar die Latte, doch in der Defensive hatten sie alle Hände voll zu tun, sich den anstürmenden Gästen zu erwehren.

Doch alle Hände reichten nicht. Wie schon in den letzten Wochen kämpften die Adler, bissen sich rein, wollten den Sieg – aber die individuellen Fehler sind in diesen Tagen kaum mehr zu zählen. Diesmal servierte Ryan MacMurchy Nürnbergs Petr Pohl in der 48. Minute die Scheibe direkt auf den Schläger – 2:2. Die Mannheimer in der Folge wieder mit Chancen, vor allem in Überzahl, doch ohne Durchschlagskraft. Immerhin war diesmal das Glück den Adlern hold: Nürnberg traf in den 60 Minuten drei Mal den Pfosten, zuletzt 30 Sekunden vor dem Ende durch Aronson. Im Penaltyschießen traf einzig Torjäger Chad Kolarik und bescherte den Adlern somit den Zusatzpunkt.

„Wir haben heute zwei Punkte gewonnen, nicht einen verloren“, sagte Adler-Trainer Bill Stewart. „Beide Teams haben sehr stark gespielt. Mir hat gefallen, wie mein Team Charakter gezeigt hat. Dazu hat Dennis Endras im Tor das beste Spiel gemacht, seit ich hier bin.“ Eine wichtige Entscheidung für die Saison 2018/2019 wird diese Woche bereits fallen: Wolfsburgs Trainer Pavel Gross hat am Freitag ein Angebot der Mannheimer für die kommende Spielzeit bestätigt. Der ehemalige Kapitän der Adler, dessen Kontrakt in Wolfsburg ausläuft, will sich morgen entscheiden, wo er zukünftig arbeitet.

So spielten sie
Adler Mannheim: Endras - Reul, Johnson; Carle, Akdag; Larkin, Stuart; Nikolai Goc - Kolarik, Adam, Setoguchi; Plachta, Festerling, Wolf; MacMurchy, Marcel Goc, Desjardins; Hungerecker, Kink, Sparre
Nürnberg Ice Tigers: Jenike - Torp, Gilbert; Köppchen, Aronson; Mebus, Jurcina - Ehliz, Steckel, Reimer; Fox, Dupuis, Segal; Möchel, Mitchell, Pföderl; Weber, Buzas, Pohl
Tore: 1:0 Hungerecker (Festerling) 10:00, 2:0 Carle (Plachta) 27:54, 2:1 Torp (Reimer) 35:18, 2:2 Pohl 47:45, 3:2 Kolarik (Penalty) - Strafminuten: 12 - 16 - Beste Spieler: Larkin, Wolf - Dupuis, Pohl - Zuschauer: 11.144 - Schiedsrichter: Schütz/Lemelin (Bad Aibling/Österreich).

www.rheinpfalz.de