Ich habe das Gefühl, dass wir uns im Kreis drehen.
Seit Dallas Eakins bei den Adler Mannheim Trainer und Manager in Personalunion ist und damit die Ära von Jan-Axel Alavaara beendet wurde, hören wir immer wieder dieselben Schlagworte: Struktur, Stabilität, Kontinuität, langfristiger Aufbau. Klingt alles vernünftig. Klingt nach Plan. Klingt nach Geduld.
Aber irgendwann muss man sich ehrlich fragen: Aufbau wofür eigentlich?
Wir stehen sportlich seit zwei Jahren immer am selben Punkt. Gut genug für oben. Gut genug für Finalserien. Gut genug, um Hoffnung zu haben. Aber eben nicht gut genug, um den letzten Schritt zu gehen. Und spätestens in den Serien gegen die Eisbären Berlin sieht man jedes Mal dieselben Symptome. Nicht zufällig. Nicht Pech. Sondern strukturell.
Eakins hat dem Team Ordnung gegeben. Das muss man anerkennen. Das Spiel ist strukturierter, disziplinierter, nordamerikanischer. Dump-and-Chase, Forecheck, klare Rollen. Das Problem ist nur: Dieses System verlangt ein physisches, unangenehmes Team. Einen Gegner, gegen den man nicht spielen will. Und genau das sind wir nicht.
Wir sind organisiert. Wir sind fleißig. Wir sind diszipliniert.
Wir sind angenehm.
Und jetzt kommen wir zum Punkt, der mich wirklich wahnsinnig macht: die frühzeitigen Vertragsverlängerungen.
Ich verstehe Kontinuität. Wirklich. Aber Kontinuität ist etwas, das sich Meister erlauben. Nicht Teams, die noch auf der Suche nach ihrer Identität sind. Wir haben zentrale Importrollen frühzeitig verlängert – und damit genau die Flexibilität aufgegeben, die man braucht, um den letzten Schritt zu machen.
Die Verlängerungen mit Esposito, Gilmour und Bennett sind das perfekte Beispiel für dieses Sicherheitsdenken. Das sind keine schlechten Spieler. Keiner davon fällt negativ auf. Keiner ist ein Problem. Aber genau das ist der Punkt: Sie sind auch nicht der Grund, warum man Meister wird.
Das sind „komfortable“ Entscheidungen.
Und Komfort gewinnt keine Titel.
Diese Deals zementieren einen Kader, der gut funktioniert, aber nicht vollständig ist. Wir haben Import-Spots gebunden, bevor wir überhaupt die zentrale Baustelle des Teams geschlossen haben. Und damit haben wir uns selbst die Handlungsfreiheit genommen. Jeder, der jetzt über neue Spielertypen spricht, muss sich die simple Frage stellen: Wo sollen die überhaupt spielen?
Der Kader ist zu. Fast komplett. Und zwar freiwillig.
Sportlich fehlt diesem Team keine Struktur und keine Tiefe. Was fehlt, ist eine klare physische Identität. Wir erzeugen Zonenzeit, aber zu wenig Chaos. Wir spielen viel an der Bande, aber zu selten im Slot. Wir haben Scheibenbesitz, aber zu wenig Rebounds. Wir fahren den Puck tief, aber niemand macht vor dem Tor wirklich Terror.
Und das ist im Playoff-Hockey tödlich.
Serien werden vor dem Tor gewonnen. Mit Screens, mit Rebounds, mit Strafen, mit Emotion. Mit Spielern, die Checks zu Ende fahren und Gegner zur Weißglut treiben. Spieler, gegen die man nicht spielen will. Spieler, die Spiele hässlich machen.
Genau diese Komponente fehlt uns seit Jahren. Und genau diese Komponente wurde durch die Vertragsverlängerungen faktisch auf Eis gelegt.
Das ist der strategische Widerspruch, den ich einfach nicht verstehe:
Der Trainer installiert ein System, das Physis verlangt.
Der Klub baut einen Kader, der auf Stabilität ausgelegt ist.
Beides gleichzeitig funktioniert nicht.
Wir sind aktuell gut genug, um jedes Jahr mitzuspielen. Aber solange niemand bereit ist, funktionierende Importrollen aufzubrechen und Platz für die fehlenden Spielertypen zu schaffen, werden wir immer wieder an derselben Stelle stehen bleiben.
Nicht weil wir schlecht sind.
Sondern weil wir zu angenehm zu spielen sind.
?
Kommentar