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Thema: Rheinpfalz-Interview mit Zach/29.12.08

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    Rheinpfalz-Interview mit Zach/29.12.08

    Rheinpfalz:

    „Wir haben über 30 Jahre verschlampt"

    Interview: Trainer-Original Hans Zach über die DEL, die verzweifelte Suche nach deutschen Eishockey-Stars und seine Sorgen in Hannover


    HANNOVER. Er war, ist und bleibt das Trainer-Original des deutschen Eishockeys: Hans Zach, Spitzname „Alpenvulkan", derzeit Coach der sehr erfolgreichen Hannover Scorpions. Unser Mitarbeiter Daniel Stolpe sprach mit Zach.


    Herr Zach, kurz vor Weihnachten unterlag das deutsche Nationalteam der Schweiz in einem Freundschaftsspiel 1:2, es war die 14. Niederlage in den vergangenen 15 Kräftemessen mit dem Nachbarn. Warum geht es nicht voran mit dem deutschen Eishockey?

    Weil die Entwicklung im Gegenteil sogar rückläufig ist. Ich habe das Spiel in Hamburg gesehen: Die Schweiz war uns noch nie so überlegen. Unsere Spieler waren bemüht, aber die der Schweiz läuferisch und technisch klar besser.

    Warum ist das so?

    Was du als Eishockeyspieler bis 20 nicht lernst - und das ist extrem viel -, holst du nicht mehr auf. Die Trainingsjahre für einen Leistungssportler setzen im Alter von acht, zehn Jahren ein. Es fehlen uns an den Schulen die Freiräume für den Sport und auch das Geld für gute Trainer und genügend Eiszeiten, wie die Schweiz und andere klassische Eishockeyländer sie haben.

    Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) sieht sich gern als ein Erfolgsprodukt. Wo sehen Sie sie im europäischen Vergleich angesiedelt?

    Exakt an sechster Stelle, hinter den Ligen in Russland, Finnland, Schweden, Tschechien und der Schweiz.

    Auffällig ist die immer weiter zunehmende Ausgeglichenheit der DEL. Sie stehen mit den Hannover Scorpions seit Wochen an der Tabellenspitze, dabei haben andere Klubs viel mehr Geld. Auch Krefeld mischt vorne mit, während die Arrivierten - Düsseldorf, Köln und Hamburg - den Anschluss verlieren. Wie erklärt sich das?

    Du musst eine Mannschaft haben, in der alles passt. Sportlich und ganz wichtig: auch charakterlich. Dazu kommt, dass es die überragenden Spieler in der DEL nicht mehr gibt. Die gehen in die Schweiz. Oder nach Russland.

    Woran krankt die Liga?

    Es wird nicht an den sportlichen Problemen angesetzt. Was wir brauchen, sind zwei höchste Ligen von je zwölf Mannschaften, verbunden durch Auf- und Abstieg. Acht Ausländer in der obersten Liga, vier in der zweiten und keine in den Ligen darunter. Dann könnten viele deutsche Spieler spielen. Ich höre aber immer nur, dass die deutschen Spieler teurer werden, wenn wir die Ausländer reduzieren. Weil es zu wenige deutsche Spieler gibt.

    Deutsche Stars, wo sind sie?

    Diese Frage stellt sich Bundestrainer Uwe Krupp auch. Als ich Anfang der 90-er Jahre als Trainer angefangen habe, habe ich meine Forderung aufgestellt: 1000 deutsche Spieler, habe ich gesagt, und 90 Prozent aller Fragen wären beantwortet. Dann hätten wir jetzt Qualität und Masse. Stattdessen sehe ich nur Not-Konzepte.

    Haben Sie Angst um den Sport, der Sie einst groß gemacht hat?

    Angst? Nein. Ich war als Bundestrainer sechs Jahre lang zu keiner DEL-Sitzung eingeladen. Das sagt alles. Ich kümmere mich schon seit Jahren nur noch um den Klub, für den ich arbeite. Dort sage ich den Verantwortlichen, wie es ist.

    Sitzen an der Spitze von DEB und DEL die richtigen Leute?

    Die Leute dort wollen es jedem recht machen. Aber das ist gefährlich. Ein Rezept für Erfolg habe ich nicht. Aber ein todsicheres Rezept für Misserfolg: Wenn man es jedem Recht machen will. In der DEL vertritt jeder zu 90 Prozent die Interessen seines Klubs und nur zu zehn Prozent die der Liga. Es muss aber jemand zu 100 Prozent das Wohl und der Wehe der Liga im Auge haben. Es fehlt ein starker Mann, der sagt: So und so wird es gemacht.

    Resultieren aus dieser Führungsschwäche die wirtschaftlichen Probleme, die praktisch jeden DEL-Klub belasten? Mit Nürnberg gab es in dieser Saison sogar die erste Insolvenz seit sechs Jahren.

    Wenn der Sport stimmt, würde die wirtschaftliche Komponente ihren Lauf nehmen. Mit dem ewigen Gerede um Abstieg und Nichtabstieg, um Ausländerzahl und Modus tut man den Fans keinen Gefallen.

    Stattdessen macht Not immer wieder erfinderisch.

    Ein Teufelskreis. Wir haben im deutschen Eishockey seit der olympischen Bronze-Medaille 1976 über 30 Jahre verschlampt. Wir haben keine Persönlichkeiten im Vorstand. Der FC Bayern hat sie, und er hat Erfolg. So wird Eishockey immer schwieriger, das öffentliche Interesse daran wird immer weniger.

    Sorgen gibt es auch in Hannover, wo Sie sportlich mit viel Erfolg arbeiten. Klubeigentümer Günter Papenburg droht mit einer Kürzung seiner Zahlungen, wenn die Stadt und das Land Niedersachsen sich nicht stärker engagieren ...

    Das sind ganz andere Sorgen als die Allgemeinen. Papenburg geht es ums Prinzip, um Versprechen, die nicht eingehalten wurden. Ich verstehe ihn.

    Sportlich findet der Eishockeytrainer Zach in Hannover ideale Bedingungen vor ...

    Ja. Ich habe, was ich brauche, um erfolgreich arbeiten zu können: Ruhe dank hundertprozentiger Rückendeckung durch Papenburg. Er, Geschäftsführer Marco Stichnoth und ich bilden - ja, ich sage fast: ein Triumvirat.

    Was macht die Scorpions auf dem Eis so stark?

    Wie ich sagte: Der Charakter der Mannschaft. Anders funktioniert es mit mir aber auch nicht.

    Ohne die nötige Qualität aber auch nicht.

    Natürlich. Unser Grundstock war schon gut, mit Mittelstürmer Tore Vikingstad, Verteidiger Oscar Ackeström und Torwart Dimitri Pätzold haben wir gute Leute dazugeholt. Diese drei bewirken viel.

    Ihre bislang letzte deutsche Meisterschaft als Trainer feierten Sie 1993 mit der Düsseldorfer EG. Folgt nun 2009 der Meistertitel mit den Hannover Scorpions?

    Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Wir hatten bislang, was du brauchst: Glück und wenige Verletzte.

    Ihr Vertrag in Hannover läuft bis 2010. Ende März werden Sie 60 Jahre alt - wie lange lodert das Feuer noch im Alpenvulkan Zach?

    Das entscheide ich nach Ablauf meines Vertrages. Abhängen wird es dann von meiner Gesundheit und was mein Gefühl mir sagt - und meine Frau, mein wichtigster Berater im Leben.

  2. #2
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    Zitat Zitat von Paige Beitrag anzeigen
    Woran krankt die Liga?
    Es wird nicht an den sportlichen Problemen angesetzt. Was wir brauchen, sind zwei höchste Ligen von je zwölf Mannschaften, verbunden durch Auf- und Abstieg. Acht Ausländer in der obersten Liga, vier in der zweiten und keine in den Ligen darunter. Dann könnten viele deutsche Spieler spielen. Ich höre aber immer nur, dass die deutschen Spieler teurer werden, wenn wir die Ausländer reduzieren. Weil es zu wenige deutsche Spieler gibt.
    Da hat der gute Herr Zach völlig recht. Aber die Clubs werden es nicht kapieren, der einzige Weg, dass sie es kapieren, ist die Insolvenz von mehreren Clubs.

  3. #3
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    Nicht mal dann....

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