Rheinpfalz:

„Wilde Sau“ schockiert die Grizzlybären

Eishockey: Rallye-Auto ruiniert Eis in Wolfsburg – Peinlichkeit der Saison führt beinahe zum Spielabbruch

Von Oliver Wehner

Das nennt man Zwei-Fronten-Krieg. Die Spieler der Grizzly Adams Wolfsburg hatten dabei ihr Gefecht gegen die DEG Metro Stars im ersten Play-off-Viertelfinale bereits nach nur 20 Minuten so gut wie gewonnen, gingen mit einer 3:0-Führung zur ersten Drittelpause in die Kabinen. Doch retten musste ihren Sieg letztlich der Eismeister in der kleinen Wolfsburger Arena. Er war erfolgreich – doch trotzdem lacht sich Eishockey-Deutschland schlapp über eine beispiellose Peinlichkeit.

Sie war ja gut gemeint, diese Werbe-Aktion in der ersten Pause – aber wie so oft, wenn etwas gut gemeint ist, nicht gut gemacht. Ein Geländewagen, ein Touareg – nach der Marke muss man in Wolfsburg wohl kaum fragen – mit Rallye-Ass Timo Gottschalk am Steuer fuhr da übers Eis. Gab Gas, bremste, ließ die Räder durchdrehen, das Heck ausbrechen. Was nur dank der Spikes an den Reifen funktionierte. Und die bohrten tiefe Furchen in Eis. Eigentlich logisch. „Er ist gefahren wie eine wilde Sau und hat damit ganz klar gegen die Absprachen gehandelt“, schimpfteWolfsburgs Geschäftsführer Rainer Schumacher auf den Promi-Fahrer. VW widersprach dem.

Die Regularien sind eindeutig: 90 Minuten haben die Eismeister Zeit, um das Problem zu lösen. Ansonsten: Spielabbruch, Sieg für Düsseldorf. „Als wir das erfuhren, waren wir geschockt“, berichtete der frühere Mannheimer Christopher Fischer. Der junge Wolfsburger Verteidiger hatte dabei noch ganz andere Probleme: „Ich hatte einen Magen-Darm-Virus, in der Kabine musste ich mich übergeben. Ich lag auf einer Bank und habe gebetet, dass es zu Ende geht und wir bald weiterspielen.“

Um 20.57 Uhr waren die Löcher gestopft, doch das Eis musste noch anfrieren. DEG-Teammanager Walter Köberle schaute, begleitet von Pfiffen der Heim-Fans, genau hin. Pikanterweise hatte seine DEG im Dezember 30.000 Euro Strafe zahlen müssen, weil sie wegen einer Reifenpanne zu spät zum Spiel in Wolfsburg eingetroffen war. Um 21.43 Uhr dann Jubel, so laut wie kurz danach beim 4:0 der Gastgeber: Die Schiedsrichter geben das Spiel zwei Minuten vor Ablauf der Frist frei, nach (samt Pause) 106 Minuten Unterbrechung. Wolfsburg gewann um kurz nach 23 Uhr mit 4:2. Die zu erwartende Geldstrafe wird verschmerzbar sein. Vielleicht übernimmt sie ja Werbepartner VW. Oder es gibt den Touareg für den Fuhrpark der Grizzlies – dann aber ohne Spikes! Das Schlusswort hat DEG-Trainer Lance Nethery: „Da glaubt man, dass man im Eishockey schon alles erlebt hat, und dann kommt so etwas.“