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Krupp beschwört das Glück

EISHOCKEY: Deutschland ist gegen Schweden krasser Außenseiter im Viertelfinale


Von Christiane Mitatselis


Bratislava. Als das Wort „Schweden” fiel, verdrehte Uwe Krupp kurz die Augen. „Es wird nicht einfacher für uns”, sagte der Eishockey-Bundestrainer - und sah für einen Moment verzweifelt aus. Es hilft nichts, mit Schweden, dem achtmaligen Titelträger, muss sich Krupps Mannschaft heute (20.15 Uhr) im Viertelfinale der WM in Bratislava auseinandersetzen.


Die Rollen sind klar verteilt: Schweden ist Favorit, die deutsche Mannschaft hat keine Chance, will diese aber nutzen. Das 2:5 in der letzten Zwischenrunden-Partie gegen Tschechien vom Montagabend vergaßen die deutschen Spieler sofort. „Ich habe mich danach zehn Minuten geärgert, dann war es vorbei”, verriet der Berliner Constantin Braun.


Krupp setzte für gestern Abend ein schwedisches Videostudium mit der Mannschaft an. Live beobachten konnte der 45-Jährige sie noch nicht: Die Schweden spielten bisher im 400 Kilometer entfernten Kosice. In der Turnier-Vorbereitung traf die DEB-Auswahl bei der Euro-Hockey-Challenge im April zweimal auf Schweden, einmal verlor sie 1:2, dann 0:2. Die Skandinavier seien damals „brutal stark” gewesen, sagte Krupp. Erst zweimal hat ein deutsches Team bei einer WM gegen Schweden gewonnen, zuletzt 1992.


Das schwedische WM-Team wurde nach der Vorbereitung verstärkt, insgesamt neun Profis aus der National Hockey League (NHL) stehen im Kader. Stark ist der schwedische Torhüter Viktor Fasth, der es auf die bemerkenswerte Fangquote von 98,26 Prozent brachte. Der deutsche Keeper Dennis Endras fing bisher nur 89,40 Prozent der Schüsse.


Im letzten Zwischenrunden-Spiel, das die Schweden am Montagabend 2:3 gegen Kanada verloren, wurde Fasth geschont. Böse Zungen behaupten, die Schweden hätten absichtlich verloren, um nicht gegen Russland spielen zu müssen, sondern gegen das schwächere Deutschland. Vermutlich ist das aber Unsinn. Dass die Schweden schlagbar sind, bewies in Bratislava das Überraschungsteam Norwegen, dem in der Vorrunde ein 5:4 gegen die „Tre Kronor” gelang. „Sie hatten Glück, und das werden wir auch brauchen”, sagte Krupp.


Wie auch immer das Viertelfinale verläuft - der Bundestrainer findet jetzt schon, dass seine Mannschaft ein „sehr gutes Turnier” gespielt habe. Und womöglich wird es doch nicht Krupps letzte WM sein. Da DEB-Präsident Uwe Harnos wohl keinen geeigneten Nachfolger für den erfolgreichen Coach finden kann, scheint der Funktionär eine Doppelfunktion nicht mehr auszuschließen. Die wahrscheinlichste Lösung: Krupp, der im Juni Teammanager der Kölner Haie wird, bleibt Bundestrainer und teilt sich das Amt mit seinem Assistenten Harold Kreis, dem Trainer der Adler Mannheim.