Einmal Derby, einmal Erzrivale

Eishockey: Besonderes Wochenende für Adler-Fans – Dauerbrenner Desjardins


von Oliver Wehner


Mannheim. „Für Schönheit oder Überlegenheit gibt es keine Punkte.“ Keine neue Erkenntnis für Pavel Gross, aber eine, die seinen Adlern Mannheim beim 1:4 am Sonntag bei den Eisbären Berlin schmerzlich in Erinnerung gerufen wurde.

Gross wollte sich in der Nachanalyse gar nicht allein an den vielen vergebenen Torchancen seiner Mannschaft festbeißen. „Nach wie vor müssen wir unser defensives Verhalten verbessern“, deutete er an, dass ihn die Gegentore ebenso wurmten. Und nicht nur jene beiden, die aus einer fünfminütigen Unterzahlsituation nach Brent Raedekes völlig unnötigem Foul beim Stand von 0:0 fernab der Scheibe resultierten. „Ich glaube, Brent war nach dem Spiel der unglücklichste Mensch“, versicherte der Coach, dass dem Sünder das Ausmaß seines Aussetzers durchaus klar ist. Sichtweise a): In der Tabelle ist trotz der ersten „richtigen“ Niederlage nach 60 Minute nicht so viel passiert. Sichtweise b): Die Adler verpassten den erstmaligen Sprung auf Platz eins. Kann man ja nachholen – mit Siegen morgen (19.30 Uhr, SAP-Arena) gegen die Schwenninger Wild Wings und/oder am Sonntag (14 Uhr) bei den Kölner Haien. Einmal Derby, einmal Erzrivale. Für die Fans zwei besondere Spiele, und das müsse man wohl auch niemandem im Kader extra vermitteln, glaubt Assistenzcoach Mike Pellegrims: „Die Jungs bequatschen das schon untereinander.“

Was Andrew Desjardins (32) bestätigt, wenngleich der Kanadier betont: „Für uns sind alle Spiele wichtig.“ Er weiß aber nach nun exakt einem Jahr in Mannheim um die emotionale Bedeutung dieser Begegnungen. „Das Jahr war für mich perfekt zum Lernen: Jetzt kenne ich die Liga, die Spieler, die Stadien und weiß, wie die Schiedsrichter hier pfeifen.“

Der ehemalige NHL-Profi (461 Spiele in der besten Eishockey-Liga der Welt) hat das Abenteuer Deutschland komplett angenommen, hat sich innerhalb des Teams und bei den Zuschauern schnell höchste Wertschätzung erarbeitet. Seine Angriffsreihe mit David Wolf und Matthias Plachta ist der Paradesturm geblieben, auch unter Pavel Gross. „Die Harmonie unter den Dreien stimmt, manchmal wollen sie sogar einen Tick zu viel“, findet der Trainer.

Da Desjardins in Über- und Unterzahl auf dem Eis steht, ist er mit fast 20 Minuten Eiszeit pro Partie derzeit der Dauerbrenner im Team. Und der Quotenbeste am Bullypunkt, knapp vor Center-Kollege Ben Smith. Witziger Zufall: Als Desjardins im März 2015 von den San Jose Sharks zu den Chicago Blackhawks wechselte, tauschten er und besagter Ben Smith die Arbeitsplätze. „Das zeigt doch, wie klein die Eishockey-Welt ist“, sagt Desjardins heute lachend. Er zog mit dem Trade damals das große Los und wurde am Ende der Saison mit Chicago Stanley-Cup-Sieger ...

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