Lokalsport
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Eishockey Möglicherweise steht den Mannheimer Adlern nach dieser Saison ein schmerzhafter Verlust bevor. Spieltag für Spieltag geben sich die Talentsucher nordamerikanischer Spitzenclubs die Klinke in die Hand, sitzen auf der Tribüne und beobachten die Stärken und Schwächen ihrer Favoriten. Wen sie dabei beobachten? Ist es der erst 17 Jahre alte Verteidiger Moritz Seider? Der 24 Jahre alte Stürmer Markus Eisenschmid? Oder mit Ben Smith, Luke Adam oder Andrew Desjardins gar einer der Spieler mit mehr oder weniger großer Vergangenheit in der NHL, der besten Eishockeyliga der Welt? Die Scouts hüllen sich auf Nachfrage, höflich lächelnd, in Schweigen. Denn möglicherweise sind alle demonstrativ ausgefüllten Statistikfelder auch nur eine falsche Fährte der Nordamerikaner. Beim dritten Playoffspiel der Adler gegen die Nürnberg Ice Tigers war ein Agent des kanadischen Traditionsvereins Toronto Maple Leafs auf der Tribüne und ließ sich möglicherweise ein wenig zu tief in die Karten blicken. Beließen es die Vertreter anderer Organisationen mit anerkennendem Kopfnicken in Richtung Fans, zückte der Kanadier zwischen seinen Notizen immer wieder sein Smartphone, richtete es auf die Fankurve der Adler und hielt dabei, sichtlich beeindruckt, die Anfeuerung der Stehplatzränge fest. Vielleicht wollen sich die Nordamerikaner ja künftig mit Eishockey-Fansupport nach deutscher Prägung verstärken, sich singend, klatschend und trommelnd einen echten Heimvorteil verschaffen. Den Adlern stünden damit demnach nicht zwei oder drei, sondern eher zwei- oder dreitausend Abgänge bevor. Man darf auf entsprechende Angebote aus der NHL gespannt sein. env

Quelle
Ausgabe Die Rheinpfalz Ludwigshafener Rundschau - Nr. 67
Datum Mittwoch, den 20. März 2019