Die Riesenfete am 18. Geburtstag fällt aus

EISHOCKEY: Adler Seider ist deswegen gar nicht sauer


Von Oliver Wehner



Mannheim. Das hätte doch perfekt gepasst: der 18. Geburtstag an einem Samstag, abends eine Riesenfete, am Sonntag dann schön lange ausschlafen. Nix da! „Es wird wohl etwas kleiner ausfallen“, sagt Moritz Seider, das Supertalent des deutschen Eishockeys, über jenen 6. April lachend. Und er ist nicht mal böse drum, denn am nächsten Tag spielen seine Adler Mannheim ihr drittes Play-off-Halbfinale in der Meisterschaft.

„Aber ein schönes Abendessen wird es schon geben, man wird ja nur einmal 18“, fügt der pfiffige Teenager, über den die Eishockey-Welt seit Monaten spricht, sofort hinzu. Die großen Feten sind ja vielleicht nur aufgeschoben. Eine könnte die Meisterfeier seiner Adler werden, die andere im Juni folgen. Dann ist in Vancouver der NHL Entry Draft, wo sich die großen nordamerikanischen Klubs der besten Eishockey-Liga der Welt die Rechte an den hoffnungsvollsten Talenten aus aller Welt sichern. Dass Seider von einem NHL-Team „gezogen“ wird, ist ziemlich sicher. Die entscheidenden Fragen lauten nur: von welchem und wann? Der Verteidiger gilt als potenzieller Erstrundenpick, ein Scoutingservice listet ihn bereits jetzt als Nummer sechs aller nominierten europäischen Feldspieler auf. Zukunftsmusik. Seider lebt im Hier und Jetzt, und das sind die Play-offs, seine ersten als Profi. „Das erste Spiel war Aufregung pur, man schläft auch etwas unruhiger“, berichtet der 17-Jährige von Partie eins der erfolgreich beendeten Viertelfinalserie gegen Nürnberg. Letztlich konnte er mit dem Selbstbewusstsein einer ganz und gar bemerkenswerten Punktrunde in die entscheidende Saisonphase gehen. Und dass viele Augen auf ihn gerichtet werden, das kennt Seider inzwischen ja auch. Immer wieder sagten sich zuletzt Scouts aus Nordamerika in der SAP-Arena an, sogar Eishockey-Legende Steve Yzerman. „Das alles kriege ich ja immer erst nach dem Spiel mit. Da muss ich meine Agenten mal loben, die das alles von mir abhalten und so den Druck gering halten“, sagt der Vielbegehrte. „Außerdem“, ergänzt er wieder augenzwinkernd, „spielt man ja nicht für die Scouts, sondern fürs Team.“

Zurück zu seinem Geburtstag. Der wird also zwischen Spiel zwei und drei der Halbfinalserie fallen. Ein Bonusgeschenk kennt er schon: Das Schutzgitter vorm Helm, das er als U18-Akteur noch tragen muss, fällt danach weg. „Deswegen werde ich kein anderer Spieler, aber es gibt dann eben auch optisch keinen Unterschied mehr“, weiß Seider. Gleichwohl, Welpenschutz genieße er mit dem Gitter nicht, im Gegenteil: „Manchen Gegner spornt es eher an, noch härter ranzugehen oder zu denken: An dem Kleinen komme ich jetzt eh vorbei.“ Wer sich da mal nicht täuscht ...

Personelles Update: Verteidiger Cody Lampl trainierte gestern nach Schulterverletzung wieder. Stürmer Tommi Huhtala pausierte noch. „Aber für nächste Woche sollte es kein Problem sein“, sagte Adler-Manager Jan-Axel Alavaara. Das erste Halbfinalspiel ist am Dienstag in Mannheim, der Gegner steht noch nicht fest.


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