Neuer Kicker am Bus

Eishockey: Adler Rendulic hat ungewöhnliche Vita


Von Oliver Wehner


MANNHEIM. Ein Kroate im Profisport, wer denkt da nicht zuerst an Fußball? Aber Borna Rendulic hat es in einem für sein Heimatland eher untypischen Metier geschafft – und sogar bis in die beste Liga der Welt. Jetzt hat der Stürmer beim deutschen Eishockey-Meister Adler Mannheim angeheuert.
„Klar habe ich als Kind auch Fußball gespielt“, antwortet Rendulic auf die unvermeidliche Frage, „aber Eishockey hat mir mehr Spaß gemacht.“ Und der immer für einen Spaß aufgeschlossene neue Flügelstürmer der Adler hat auch gleich eine Erklärung parat: „Beim Fußball hast du doch alle zehn Minuten mal den Ball, das ist mir viel zu wenig.“

Rendulic verfügt über ein sonniges Gemüt, obwohl er sein ebensolches Heimatland schon in jungen Jahren Richtung hoher, kühler Norden verließ, mit 15 Jahren. Ihm war klar: In Kroatien, dessen Nationalmannschaft aktuell drittklassig ist, wird er seinen Traum vom gehobenen Profidasein nicht wirklich erfüllen können. Also siedelte er als Teenager nach Finnland um. „Familie, Freunde, Schule – ich habe alles hinter mir gelassen“, erzählt der heute 27-Jährige, „aber ich musste es tun. Ich wollte Eishockey spielen. Und in Finnland kennt man sich aus mit solchen Jungs. Dort erklärt man dir auch, wie man für seinen Sport zu leben hat. Was man isst, wie man schläft“.

In Kroatien war Rendulic schon mit 15 ein Ausnahmespieler, Meister gar bei den Herren mit seinem Heimatklub Medvešcak Zagreb. Aber nach Finnland, wo Eishockey Volkssport Nummer eins ist, kam er als ganz kleines Licht – das aber bald erstrahlte. Das Talent bekam seinen Feinschliff, im Sport und auch in der allgemeinen Entwicklung. „Ich spreche neben Englisch auch Finnisch. Das ist hier super, weil wir ja drei Finnen in der Mannschaft haben“, sagt der 1,90-Meter-Riese über seine neuen Adler-Teamkollegen Joonas Lehtivuori, Tommi Huhtala und Jan-Mikael Järvinen.

Trotzdem: Der Sehnsuchtsort blieb die ganz große Eishockey-Welt, also Nordamerika. Und tatsächlich brachte es Rendulic als Kroate auf 15 Spiele in der National Hockey League, für die Colorado Avalanche und Vancouver Canucks. „Ich bin stolz, dass ich es überhaupt in die NHL geschafft habe – auch wenn ich mich dort nicht durchgesetzt habe“, sagt er ganz ohne Bitterkeit. Über noch mal Finnland und schließlich Russland ging’s nach Mannheim. Dort übrigens ist ja noch ein – wenigstens halber – Kroate: Mark Katic, eigentlich Kanadier, aber mit Balkan-Wurzeln.

Rendulic’ Freundin lebt in Zagreb. Das Weltenbummeln macht ihm nichts aus, „ich kenne das ja gar nicht anders“. Eine neue Erfahrung bringt Mannheim mit dem anspruchsvollen System von Trainer Pavel Gross mit sich. „Ich schieße gern, gehe auch in die Ecken – aber hier laufen wir sehr viel, da muss ich noch an meiner Rückwärtsverteidigung feilen“, sagt er lachend. „Borna für Luke Adam und Järvinen für Chad Kolarik, das ist unsere Idee“, gibt Adler-Manager Jan-Axel Alavaara Einblick in seine Gedankenspiele, zwei Abgänge der Meistersaison und eben die Neuzugänge betreffend. Übrigens: Vor den Auswärtsspielen gehört bei den Adlern das lockere Kicken vorm Mannschaftsbus zum Ritual. Auch da wird sich der Mann aus dem Land des Vize-Weltmeisters sicher gut einfügen ...


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