Nichts fällt unter den Tisch

Fragen & Antworten: Früh in der Saison werden die Adler Mannheim ermahnt


Von Oliver Wehner


Mannheim. Vier Punkte, Tabellenrang vier – klingt für die Adler Mannheim nach passablem Start in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Wenn da nicht dieser kleine Wutausbruch des Trainers nach der Heimniederlage gegen die Kölner Haie gewesen wäre.

Wie ist es mittlerweile um Pavel Gross’ Laune bestellt?
Gefasst und kontrolliert, aber klar in der Ansprache („Das mag ich überhaupt nicht, und das werden wir ändern“) war der Coach am Sonntag, seine Miene allein hätte schon Bände gesprochen. „Ich verstecke meine Emotionen nicht unter dem Tisch“, versicherte er nun mit ein paar Tagen Abstand. Dass er so früh schon, nach dem erst zweiten Saisonspiel, sein Team zu Disziplin, Einsatz und vor allem Systemtreue ermahnte, möchte Gross dabei nicht überbewertet wissen: „Wir werden zu jedem Zeitpunkt deutlich, wenn es sein muss – egal ob im Oktober oder Dezember.“ Die Coaches seien eben dafür da, „die Mannschaft daran zu erinnern“, dass auch ein amtierender Meister den nächsten Schritt tun muss – im speziellen Fall zu noch mehr Tempo auf dem Eis. „Wenn du dafür nicht bereit bist, kommst du überall zu spät“, betonte Gross mit Blick auf verlorene Zweikämpfe und Scheiben.

Wie steht’s um das Problembewusstsein des Teams?
Ist vorhanden. Schon nach dem 4:1-Erfolg am Freitag in Nürnberg sagte Stürmer David Wolf, dass so richtig positiv an diesem Spiel nur die drei Punkte gewesen seien. Nach der 1:2-Verlängerungsniederlage gegen Köln betonte Torschütze Borna Rendulic: „Eben weil wir wissen, dass wir ein gutes Team sind, müssen wir unzufrieden sein und besser spielen.“

Trotzdem stehen ja vier Punkte auf dem Konto: Was war schon gut am Wochenende?
In Nürnberg die Powerplay-Quote mit zwei spielentscheidenden Treffern, gegen Köln das Unterzahlspiel mit zwei Mann weniger. Torwart Dennis Endras erinnerte in beiden Partien an seine Play-off-Form im Frühjahr. Ob es nun am Wochenende gegen Vizemeister Red Bull München (Freitag, 19.30 Uhr) und bei den Pinguins Bremerhaven (Sonntag, 14 Uhr) zur erwarteten Rotation mit Johan Gustafsson kommt, ließ Pavel Gross gestern offen. Toptalent Tim Stützle erhielt sehr viel Eiszeit – auch in Überzahl. Bemerkenswert zudem: Verteidigerhüne Denis Reul fährt seine harten Checks noch konsequenter zu Ende und schaltet sich auch in die Offensive ein – muss sich dann aber mächtig sputen, rechtzeitig zu seinen „Terminen“ mit den gegnerischen Stürmern vorm eigenen Tor zu kommen ...

Was tut sich vor den nächsten beiden Aufgaben personell?
In der Vorbereitungsphase war Andrew Desjardins lange angeschlagen, jetzt steht der erfahrene Kanadier vor seinem Comeback und seinem ersten Saisonspiel in der DEL. Der 33-Jährige trainierte gestern erstmals in vollem Umfang und stand auch schon in der angestammten Sturmreihe mit den Flügelangreifern Matthias Plachta und David Wolf. „Ich bin bereit und fühle mich gut“, sagte Desjardins mit Blick aufs Heimspiel gegen München, für das bislang 10.800 Karten verkauft sind. „Ich hatte vorher Probleme bei einigen Bewegungen, konnte aber viel skaten und mich so in Form halten“, versichert Desjardins. Trainer Gross ist ebenfalls zuversichtlich, will aber „noch abwarten, wie sein Körper auf dieses Training reagiert“. Auf jeden Fall fehlen wird gegen München wie schon gegen die Haie der verletzte Stürmer Phil Hungerecker.


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